Logo des Netzwerk Inklusion Deutschland e.V.Herausforderung Bildung für Staat, Lehrkräfte, Familien mit Kindern mit Behinderungen sowie individuellem Unterstützungsbedarf in Zeiten von Corona und anderen Krisen

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Überlegungen des Netzwerk Inklusion Deutschland e.V.

 

Eine lange Einleitung zu den bekannten Sorgen und Fragen möchten wir uns und Ihnen gern ersparen, sondern gleich möglichst konkret werden mit dem, was uns bewegt: Bildung und was von ihr übrig bleibt durch Corona. Was aktuell - und eigentlich immer wieder - die größte Herausforderung ist: die klare Kante fehlt, niemand sagt gezielt und „offiziell“, was geht und was nicht. Das bedeutet „abwarten, bis was „von oben kommt“. Und insbesondere in Schule: abwarten, bis Kultus sich rührt, nur nicht selbst aktiv werden! Das mag das System bekanntlich gar nicht und führt immer zu Ärger. Und dieser Missstand blockiert seit Jahren den Fortschritt für Schule, Lehrerausbildung und -gewinnung sowie pragmatisches Herangehen an die Probleme in dieser Zeit.
Videokonferenz? Da hört man zum Teil Aussagen wie „nicht erlaubt“, „kein Tool abgesegnet“, „geht nicht wegen Datenschutz“, „kein Equipment in der Schule“, „kein Netz“… „Whatsapp? Auf keinen Fall!“... oder wegen Corona evtl. doch möglich?
Keine klaren Antworten mit Hinweis auf zertifizierte Tools auf den Seiten der KMK: gelistete Lerntools ausdrücklich „ohne empfehlenden Charakter“. Warum denn bloß nicht? Für Suchende nach so etwas Simplem wie einem für Schule zertifizierten Videokonferenztool wird die Recherche zur absoluten Farce. Das ist peinlich! Aber natürlich sind wir auch nicht umsonst im internationalen Vergleich nur Mittelfeld bei Digitalisierung (Artikel die Zeit von 11/2019). Sich hier etwas zu trauen kommt offenbar Kamikaze gleich!

Fragen Sie doch mal schnell beim BSI, was gezielt für Schulen empfohlen werden kann! Oder glaubt echt jetzt jemand, dass sich alle Schulleitungen Deutschlands mit den 173 Seiten des Kompendiums des BSI auseinandersetzen werden, geschweige denn nach dessen Sichtung auch nur einen Schritt näher an einer Entscheidung oder gar der Umsetzung wären? Ist das die Erwartungshaltung? Was kostet allein diese Recherche jede Schule an Zeit, die wir doch eher dringend im Unterricht bräuchten? Wesentlich schlauer ist man auch nicht, wenn man z.B. den Datenschutz Hessen aufruft, aber auch Bayern ist keinen Deut besser. Wer glaubt, man könne als Schulleitung oder Erziehungsberechtigte nach Lesen der Infos durchstarten, ohne zu verstehen, was genau Cloud-Lösungen oder Transportverschlüsselung sind. …. Unfassbar! Keinerlei Empfehlungen sichtbar. Alles wird auf den Nutzer abgewälzt. Haben wir denn eigentlich nirgendwo brauchbare Experten sitzen, die sich eine Empfehlung zutrauen? Wäre das etwa schon waghalsig?

Vielleicht ist daher dieser Vorschlag praktisch: die Liste zertifizierter Videokonferenzanbieter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Diese sind schonmal für Videosprechstunde mit Ärzten und Psychotherapeuten zertifiziert. Das könnte dann vermutlich auch dem Datenschutz in Schule gerade noch so gerecht werden, oder….? Zumindest mal besser als nichts!

Alle sehnen sich nach klaren Worten! Und liebe Politik, Ihr werdet es kaum glauben: wir verkraften das! Wir machen offenbar alle eine Menge mit, wenn es sich erschließt…

Also los…

Generelles zu Corona: Schutz vor dem Virus und Infos

  1. Robert-Koch-Institut Infos: Corona – COVID19
  2. Infos in leichter Sprache: Bundesgesundheitsministerium, RKI, oder in einfacher Sprache von der Lebenshilfe
  3. Infos zu Corona vom Deutschen Gehörlosenbund in Gebärdensprache
  4. Infos zu Corona vom Deutschen Blinden und Sehbehindertenverband e.V.

Nun zu den Herausforderungen für Schule

  1. Hygiene:

Es gibt viele alte Probleme, wie mangelnde Hygienestandards, „etwa die Hälfte hat keinen vorgeschriebenen Hygieneplan“ (Beitrag ZDF vom 28.06.2019) und unzureichende Sanitärmöglichkeiten. Und nun auch neue Themen wie: Abstandhalten, Maskenpflicht, mangelnde Lippenlesemöglichkeiten für hörgeschädigte Menschen beim Tragen solcher Masken. Hier wird es für eine Übergangsphase sicher mehr Personal für Aufklärung und die Einhaltung von Hygiene, das Abstandhalten und Tragen von Masken brauchen.

Eigentlich sind wir kein Entwicklungsland, aber bei der Begehung von Schulen mutet es vielerorts so an (siehe o.g. ZDF Beitrag). Im vergangenen Jahr kam das KfW-Kommunalpanel 2019 zu dem Schluss, wir hätten einen bundesweiten Sanierungsstau in Schulen von 42,8 Mrd. (und für den Digitalpakt kommen noch 5 Mrd. hinzu). „Schnell“ geht daher nun offenbar gar nichts. Aber dort, wo es keine Möglichkeiten zur Handhygiene mit warmem Wasser und Seife in den Sanitärräumen gibt, braucht es wohl zumindest eine großzügige Installation von Desinfektionsmitteln mit dem Wirkungsbereich ‘begrenzt viruzid’ (wirksam gegen behüllte Viren), ‘begrenzt viruzid PLUS’ oder ‘viruzid’ anwenden (Info RKI). In wasserarmen Ländern – zugegeben in erster Linie Entwicklungsländern – wird Hygienegel über Monate eingesetzt, auch unabhängig von Corona. Wenn wir das offenbar nicht wesentlich besser können als die Dritte Welt, dann ist die Nutzung verfügbarer Desinfektionsmittel besser als nichts. Und vermutlich schneller und kostengünstiger zu bewerkstelligen als so etwas „Luxuriöses“ wie Warmwasserleitungen, Seife und Handtücher… aber natürlich kann man auch – wie wohl schon geschehen – die Schüler*innen bitten, doch bitte Seife und Handtücher von daheim mitzubringen – in einem der reichsten Länder der Welt… Geht’s noch?

  1. Schulweg, Schule, Pausen:

Abstandhalten muss erst noch von allen gelernt werden. Auch der Weg zur Schule stellt eine Herausforderung dar und Kinder halten den notwendigen Abstand nicht ein. In Schulnähe wäre es vielleicht sinnvoll, das Konzept der Schülerlotsen wieder einzuführen – zumindest in einer Übergangs- oder Lernphase – und auch auf diese Abstände gezielt hinzuweisen.
An Ampeln oder Kreuzungen gibt es mit Markierungsspray eine schnelle Möglichkeit, kurze Striche oder Punkte in entsprechenden Abständen zu markieren. Ggf. Beschilderung dazu an Ampeln anbringen (Augenhöhe von Kindern beachten) und in Schule und Medien kommunizieren. Es müssen stark frequentierte Stellen identifiziert und ggf. ein „Notfall-Schulwegeplan“ erstellt werden. So etwas muss sofort angegangen werden.
Achtung: Markierungsspray geht nicht durch Regenwasser allein wieder weg! Das hat Vor- wie Nachteile.

  1. Tragen von Masken:

Es ist notwendig, das korrekte An- und Ablegen der Masken im Unterricht noch einmal zu erläutern. Insbesondere in den Pausen ist auf das Einhalten des Abstandes zu achten (mehr Pausenaufsicht in der Übergangsphase, zudem „Schülerpolizei/Streitschichter“ oder Corona-Teams einführen, wo noch nicht vorhanden und Verantwortung übertragen).
Dort, wo auch Masken im Unterricht getragen werden sollten, weil die Klassengröße dies erfordern würde, muss auch über Alternativen nachgedacht werden, da unter den Masken geschwitzt wird. Hier bieten sich ggf. Gesichtsvisiere an. Zudem muss darauf geachtet werden, dass hörgeschädigte Menschen Möglichkeiten zur Teilhabe und Lippenlesen haben. Es gibt Plastikvisiere, die eine (zusätzliche) Möglichkeit bieten (Info Deutschlandfunk zum Selbermachen oder hier auf unserer Netzwerkseite).

  1. Räumlichkeiten:

Generell muss flexibel überlegt werden, welche Räumlichkeiten – außer Schule und KiTa – noch zur Verfügung stehen und wie Betreuung und Unterricht für ALLE im Split-Betrieb sinnvoll gestaltet werden kann. Räumlichkeiten gibt es nicht nur in Kindergärten, Schulgebäuden und alternativ in Elternhäusern oder Wohnungen. Es gibt insbesondere aktuell freie Flächen in Bürgerhäusern, Kirchen, Museen, Turnhallen und auch Hotels, Cafés, Restaurants und Kneipen. Gerade die letztere Kategorie steht zurzeit leer und könnte auf ihre Tauglichkeit als Lehrraum und auf ihre Barrierefreiheit geprüft werden, um die Situation im Klassenzimmer zu entzerren. Zudem sind diese meist bereits mit brauchbarem WLAN und sogar warmem Wasser, Seife und Toilettenpapier ausgestattet ????. Als Dank könnte der Staat eine Nutzungsgebühr/Miete zahlen und hätte somit sehr direkte Unterstützung geleistet.
Es müsste möglich werden, dass ALLE Kinder entweder im Klassenzimmer vor Ort teilnehmen oder mit Tablet oder Laptop aus einer anderen Lokation per Videokonferenz zugreifen können. Es ist wichtig, auch hier einen Blick auf individuelle Bedürfnisse aller Schüler*innen zu haben.

Auch für Kinder aus dem Autismusbereich z. B. ist es wichtig, dass sie zurück in ihre gewohnte Klasse gehen können. Ein weiterer Vorteil des zeitgleichen Unterrichtens wäre, dass man die Klassen nicht tage- oder stundenweise aufteilen müsste, sondern alle parallel teilnehmen könnten und die Lehrkraft auch über Videokonferenzen für Fragen in dieser Zeit erreichbar wäre. Nun hören wir sicher: wir haben aber doch seit gefühlten 100 Jahren überraschend Lehrermangel! Und so kommen wir daher zum Punkt Personal und Technik.

  1. Personelle und technische Ausgestaltung:

Ja, Lehrkraft zu sein bedingt gewöhnlich ein Studium. Aber das haben die meisten Eltern in der aktuellen Krise auch nicht oder es liegt in einer anderen Fachrichtung. Dennoch sind alle derzeit dabei, ihre Kinder irgendwie völlig selbstverständlich daheim zu unterrichten - so gut es geht oder auch nicht geht. Zeitgleich sind derzeit viele Studierende durch geschlossene Universitäten lahmgelegt – ebenso wie die eben benannten Eltern-Hilfslehrer.
Man könnte Studierende oder die frisch gebackenen Abiturienten zur Unterstützung in der Krise wie die Erntehelfer aufrufen. Und hier nicht nur Lehramtsstudierende, sondern alle könnten etwas Soziales tun und für‘s eigene Leben lernen. Natürlich ist dies keine Dauerlösung, aber sicher ein sehr sinnvoller Beitrag, der wertvolle Erfahrungen liefert und die Gesellschaft mehr zusammenwachsen lässt.

Wenn wir an den Umgang mit Menschen mit Behinderungen denken und z. B. überlegen, wer heute ohne Vorbehalte auf sie zugeht, so sind dies bei männlichen Mitbürgern meist ehemalige Zivildienstleistende, die bei Krankenfahrten oder der Behindertenhilfe aktiv waren. Wir sehen daher den Einsatz junger Menschen im sozialen Bereich als sehr sinnvollen und nachhaltigen Beitrag auf dem Weg zu mehr Inklusion an (gern würde ich hier noch die Debatte eines Pflicht-Sozial-Jahres starten, aber das würde jetzt zu weit führen). Diese jungen Menschen (ebenso wie freiwillige Eltern) könnte man durchaus als Mentoren in den zusätzlich verfügbaren Räumlichkeiten einsetzen, in denen keine Lehrkraft direkt vor Ort sein kann. Denn Pensionäre zurück in die Schulen geholt, haben wir ja bereits in den „guten Zeiten“. Nun müssen wir offenbar neu denken und kreativ sein, wenn teilweise alles Ü60 abwesend ist.
In Sachen Technik: Man müsste vorab feststellen, welche Schüler*innen über ausreichend technische Ausstattung verfügen und welche nicht - das ist aktuell bereits erahnbar bis bekannt, wäre ansonsten zu erfragen. Wer keine entsprechende Ausstattung hat, besucht die Schule und geht in den Klassenraum oder kann sich ein Laptop im Freundeskreis leihen. Wo möglich, kann auch die Schule leihweise etwas bereitstellen.

So müsste es möglich werden,

  • den Unterricht im Rahmen der Unterrichtszeit fortzuführen,
  • die Klasse „im virtuellen Klassenverband“ bzw. zumindest zeitgleich (vor Ort und per Videokonferenz zugeschaltet) zu unterrichten,
  • sich als Lehrkraft intensiver mit Digitalisierung sowie Videokonferenzen auseinanderzusetzen und
  • auch die entsprechende Unterstützung durch Freiwillige zu bekommen.

Die Studierenden müssten ihren gesellschaftlichen Einsatz vergütet und/oder als Praktikum im Rahmen ihres Studiums anerkannt bekommen bzw. ein „Corona-Zertifikat“ erhalten. Dies dürfte ein Anreiz sein.

  1. Nachtrag zu technischem Equipment:

Generell könnte man (vielleicht etwas für die Zukunft) darüber nachdenken, Hardware aus Unternehmen anzukaufen oder zu leihen. Große und mittlere Unternehmen tauschen ihre Notebooks nach der steuerlichen Abschreibungsdauer von 3 Jahren meist gegen ein neues Modell aus und geben das Alte dem Händler zurück. Die alten Notebooks dürfen nicht an Mitarbeiter*innen oder für andere Zwecke gespendet werden. Doch könnten sie ggf. vom Staat „abgerufen“ werden für eine weitere Lebensdauer von z.B. einem oder zwei weiteren Jahren. Eine aktuelle Windows-Version, Internetzugang und gängige Office-Programme reichen für den schulischen Einsatz generell völlig aus. So wäre dies schnell und auch kostengünstig möglich. Zudem hätte man einen sinnvollen Zyklus und regelmäßige „Erneuerung“.

Es könnte auch – ähnlich dem Aufruf, alte Handys zu spenden – ein Aufruf ergehen und um Spende von Laptops innerhalb eines bestimmten Alters gebeten werden. Vielleicht kann man sich mit IT-Studierenden zusammenschalten, die von Microsoft für Schulen gratis angebotenen Office-Lizenzen aufspielen und die Schulen somit zeitnah versorgen. Sollte Office 365 (heute Microsoft 365) generell abgesegnet sein, so enthält dieses im Übrigen auch das Videokonferenztool Microsoft Teams. Hier wäre der notwendige Datenschutz noch zu klären (Frage @BSI)

Situation in den Familien, Berücksichtigung besonderer Faktoren:

Für fast alle Familien ist die derzeitige Situation bekanntlich eine enorme Herausforderung und Belastung. Wir hören auf der einen Seite von Beispielen, in denen die Kinder sich einloggen von 8-13h und per App oder Konferenztool ihre Aufgaben selbstständig erledigen. Die Lehrkraft ist ebenfalls in dieser Zeit verfügbar, dreht Videos mit Unterrichtssektionen und macht diese über YouTube verfügbar: der gesamte Tag hat Struktur. Da läuft es!

Wir hören aber auch von Schulen, an denen sich seit dem 16.3. wenig bewegt. Es findet kaum Austausch unter den Lehrkräften statt (echte Konferenzen „darf man nicht abhalten“ und Video kann keiner, also schicken Schulleitungen hier und da Mails mit Anweisungen und Infos aus dem KuMi…). Die Zeit wird auch nicht etwa für die Weiterentwicklung bzw. Fortbildung der schulinternen Computerkenntnisse genutzt oder Videokonferenzen auf deren Nutzen und Einsatzmöglichkeiten getestet – hat ja auch niemand offiziell eingefordert… Wie werden die Schulen von der Bildungsverwaltung begleitet und weitergebildet, damit sie den eigentlich schulpflichtigen Kindern eine vergleichbare Qualität bieten können?

Viele Schüler*innen werden mehr oder weniger allein gelassen mit einem Stapel Aufgaben in Papierform und ihrer neuen Lebenssituation - dem freien Lernen allein zu Hause mit teils überforderten Eltern. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass alle Kinder zu Hause einen Ort vorfinden, in dem sie bestens unterstützt, verstanden und unterrichtet werden. Der Lehrerverband schätzte die „abgehängte Gruppe“ schon Mitte April auf 25% (Artikel Die Welt vom 13.04.20). Die Zahl dürfte schon jetzt weit höher liegen und steigen.
Neben der Tatsache, dass zum Teil alle Familienmitglieder zeitgleich daheim sind, spielen nun auch mehr und mehr Existenzängste der Eltern eine Rolle bei der Stimmung daheim. Aufgrund sprachlicher Barrieren und fehlender Informationen gibt es Kinder, die in den vergangenen 6 Wochen nicht vor die Tür kamen aus Angst vor Corona. Und wenn dann auch die Lehrkraft keinen Kontakt zu den Schüler*innen hat, dann hat das katastrophale Folgen. Auch die Schüler*innen mit Behinderungen, die inklusiv oder in Förderschulen unterrichtet werden, brauchen mehr Unterstützung als sie jetzt erhalten und werden bei den meisten Planungen wie selbstverständlich komplett vergessen. Zum Glück darf die Teilhabeassistenz nach anfänglichen Unsicherheiten nun stundenweise auch im häuslichen Umfeld eingesetzt werden, aber es wäre für schulische Bildung eine umfassendere Unterstützung notwendig.
Eine Notbetreuung in der Schule müsste für benachteiligte Kinder mit besonderen Bedürfnissen oder mit einer Behinderung ebenso selbstverständlich sein, wie die Betreuung von Kindern, deren Eltern „systemrelevanten“ Berufen nachgehen. Wenn Schutzmaßnahmen eingehalten werden, ist Vieles möglich. Wir müssen zudem fordern, dass Lehrkräfte – auch wenn es sicher mühsam und schwierig ist – von allen Kindern bzw. Eltern über Kontaktdaten verfügen (selbst das ist nicht selbstverständlich! Auch Dank DSGVO). Lehrer*innen müssten Kinder auch in unterrichtsfreien Zeiten mind. 2 x pro Woche - besser „täglich“- kontaktieren, um die Situation zu prüfen und Alternativen anzubieten, sollten sich Schwierigkeiten abzeichnen. 

Es muss auch über eine Öffnung der Turnhallen nachgedacht werden für Kinder, die nicht viele Möglichkeiten für Bewegung haben. Wir kennen die Bilder der rennenden Kinder in Spanien, die erstmals „ihre 4 Wände“ verlassen durften. Wenn es um Bildung geht dürfen wir der nächsten Krise nicht wieder genauso ideenlos begegnen. Und die Bildung in Deutschland ist bereits ohne ein Virus in einer unfassbar tiefen Krise.

Solidarität – ein paar Gedanken:

Die Solidarität unter den Menschen hat in der Krise deutlich zugenommen und viele Menschen unterstützen im Rahmen ihrer Möglichkeiten tatkräftig in der Nachbarschaft und Familie. Aber Solidarität hat viele Facetten: Es gibt derzeit Menschen, die sicher im Sattel ihres Jobs sitzen und keinerlei Zukunftsangst kennen. Viele von Ihnen sparen sich über Wochen den Weg zur Arbeit und damit hohe Fahrtkosten per Bahn oder Auto. Zudem wurde einiges gespart, weil Gastronomie und Geschäfte in den letzten Wochen geschlossen waren. Das mag jeder für sich einmal grob überschlagen und einschätzen.
Dann gibt es wiederum Menschen, die durchaus große Ängste und Sorgen haben und nicht wissen, wie es für sie und ihre Mitarbeiter*innen weitergehen kann. Ganze Branchen können zusammenbrechen, wie der Tourismus und Eventbereich etc., aber z.B. auch Therapie- und Massagepraxen, Fahrschulen und viele mehr.
Der Bund hat über die KfW gute Programme aufgelegt als Sofortmaßnahme und scheint unbürokratisch zu unterstützen, Instrumente wie Kurzarbeitergeld greifen erfolgreich dort, wo sie umsetzbar sind. Kurzarbeit bedeutet für viele aber auch hohe finanzielle Einschränkungen. Jobs und Nebenjobs in der Gastronomie, bei Events, Konzerten, Theater, Messen oder Betreuung etc. fallen über lange Zeit völlig weg.

Wiederum möchten wir alle, sobald es wieder möglich ist, diese Optionen auch möglichst wieder in altem Umfang nutzen. Doch werden wir dann feststellen, dass 2 von 3 Restaurants oder Bars die Corona-Zeit nicht überlebt haben und viele andere Angebote, wie Theater, Schausteller, Open-Air-Märkte etc. nicht wieder problemlos dort andocken können, wo sie aufgehört haben.
Daher wäre es wünschenswert, deutlichere Appelle über die Politik an die Bevölkerung zu richten zu weitergehender Solidarität - auch und insbesondere an Abiturienten und Studierende, die gerade viel Zeit haben und diese weder zum Reisen noch für einen Nebenjob nutzen können.

Es wäre zudem großartig, wenn Menschen für verschobene Reisen die angebotenen Gutscheine akzeptieren und nicht auf deren Auszahlung bestehen würden, auch wenn ihnen diese gesetzlich zusteht. Wer sich das leisten kann, für den sollte es selbstverständlich sein – auch das könnte man noch deutlicher betonen.
Phantastisch wäre auch, wenn Menschen, die einen sicheren Job haben und recht sorgenfrei weiterleben können oder aus anderen Gründen die finanziellen Möglichkeiten haben, für z.B. die nächsten 12 Monate einen Beitrag spenden würden: entweder für eine förderungswürdige Institution oder ein sinnvolles Projekt oder in einen Corona-Spenden-Fond, mit dem Menschen unterstützt werden, die derzeit weniger Glück haben.
Und sollte über bestehende Instrumente bereits ausreichend für diese Menschen getan werden, dann möge das Geld – neben abendlichem Applaus - in die Pflege fließen oder in die dringend notwendige Sanierung und Ausstattung von Schulen, damit es auch an dieser Stelle endlich mal wieder voran geht. Für die Zukunft und Gesundheit dieses Landes und die Bildung aller.

Es ist ein wahrer Jammer, dass diesen wichtigen, systemrelevanten Bereichen bis heute und so selbstverständlich derart wenig Priorität beigemessen wird. Es ist zu befürchten, dass man in der Krise keine Zeit hat für wichtige Maßnahmen und nach der Krise wieder zu schnell vergisst… Das muss aber nicht so sein. Und Sie haben es in der Hand.

Ich danke Ihnen für Ihre Zeit, sende herzliche Grüße und: bleiben Sie gesund,

 

Alexandra Cremer

 

Sie haben daheim Langeweile?

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